15 Jun

Die Radikalisierung der Gesellschaft

Seit Beginn der Flüchtlingskrise – ich erlaube mir dieses Wort zu benutzen, da Umstände die Menschen zur Flucht bewegen immer als Krise zu sehen sind und wir nicht um die Benutzung des Wortes diskutieren sollten, sondern vielmehr wen es alles betrifft – beobachtet man in Deutschland ein Phänomen welches einem mehr und mehr Sorge bereiten muss.

Die Diskussionen um das Für und Wider wiegeln sich von Tag zu Tag mehr auf. Einzelvorfälle werden Exemplarisch für das Große und Ganze instrumentalisiert, Argumente der „Gegenseite“ zuerst negiert, dann abgeschmettert und zu guter Letzt einfach nur noch ignoriert. Menschen die nicht bedingungslos der Meinung eines der beiden Lager sind werden stigmatisiert und verurteilt. Gelebter Extremismus und Chauvinismus jeden Tag, überall.

Die Verlierer sind die Liberalen, die Denker, die Toleranten, die Demokraten. Man hat sich für ein Lager zu entscheiden und sich ohne zu zögern auf den Grabenkrieg einzustellen. Wer versucht zu vermitteln oder sich irgendwo in der Mitte zu positionieren wird im umgehend im Kugelhagel niedergestreckt.

Wir beobachten aber noch etwas äusserst unberuhigendes. Einen scheinbar starken Rechtsruck. Ich sage scheinbar, da ich der festen Überzeugung bin, dass sich hinter den Zahlen ein ganz anderes Problem befindet. Wir leben in einer Demokratie die nie wirklich eine war. Nur bis vor kurzem war das nie ein Problem. Seit dem Ende des zweiten Weltkrieges leidet Deutschland an einem Trauma. Alles Rechte musste ausgemerzt werden, um so etwas nie wieder geschehen zu lassen. Der Deutsche ist schließlich fleißig und lernfähig und will das auch jedem zeigen. Jeder der rechtsextreme Tendenzen zeigte wurde mundtot gemacht und ausgegrenzt um Buße zu tun. Ist das Demokratisch? Wohl kaum, aber wir konnten uns kein schlechtes Image leisten. Da musste auch der §5 GG mal dran glauben. Doch über die Jahre verschob sich diese damals durchaus sinnvoll gesetzte Grenze immer weiter nach links. Es herrschte ein Ungleichgewicht, da alles was sich rechts dieser Grenze befand politisch ausgeschlossen wurde. Die Folge waren immer mehr Tabus und die gute deutsche „Political Correctness“. Auf die Frage warum wurde immer öfter die Antwort weil gegeben. Und das reichte schließlich auch. Man befand sich ja im Recht.

In einer Gesellschaft wird es immer verschiedene Meinungen geben. Jeder Mensch wächst in einem anderen Umfeld auf, wird anders geprägt, macht andere Erfahrungen. Toleranz wird nicht in jedem Elternhaus gleich groß geschrieben, Gleichberechtigung ist ein Luxusproblem. Jeder der täglich ums nackte Überleben oder um den sozialen Aufstieg aus dem Nichts kämpft hat einfach keine Zeit über dieses Thema nachzudenken. Wenn er seine Chance nicht nutzt und sie der Toleranz halber anderen überlässt wird er vielleicht nie wieder eine bekommen. Mit Sicherheit aber weitere Tage in seiner Situation feststecken. Kann man ihn deswegen verurteilen?

Aber zurück zum Thema:

Rechtspopulismus ist so stark wie seit langem nicht mehr. Längst werden die Warnrufe laut wir befinden uns wieder in den 1930er Jahren. Aber warum ist das so? Warum dreht sich das Blatt der Mehrheiten so schnell, das in manchen Bundesländern die SPD schon fürchten muss hinter der AfD zu landen? Ich denke es gibt hierzu nicht die eine Antwort. Zunder alleine reicht für eine Explosion nicht aus, ein Eimer Wasser bringt das Fass nicht zum überlaufen. Wer meint hierfür die eine universal gültige Lösung parat zu haben, der hat das Problem nicht erkannt. Je vielschichtiger eine Gesellschaft ist, desto vielschichtiger sind auch ihre Probleme. Auch ich möchte mir nicht anmaßen hier alle Probleme in all ihrer Komplexität aufführen zu können. Aber ich möchte zumindest einen Versuch starten ein bisschen Sprengstoff aus der Situation zu nehmen.

Ein bereits von mir genanntes Thema ist die Geschichte unseres Landes und der Umgang damit. Mit Umgang meine ich vor allem die Tabuisierung gewisser Themen. Wenn wir uns einmal die Länder um uns herum anschauen anstatt immer nur uns selbst dann stellen wir verblüffendes fest! In all diesen Ländern gibt es keine Todesangst vor rechten Parteien! Die SVP in der Schweiz, die Front National in Frankreich, die FPÖ in Österreich. Noch viel schockierender? In allen Ländern sind diese Parteien aktiv in der Regierung vertreten. Und das seit Jahren! Und?

Demokratie bedeutet offenes Zusammenleben verschiedener Meinungen. Demokratie heißt dem Anderen zuzuhören. Vor allem aber heißt es, niemanden Auszugrenzen. Wohin das führt haben wir tatsächlich bereits in der Deutschen Geschichte erlebt. Wenn ich zwei Kämpfer in den Ring schicke wird der Stärkere gewinnen. So ist das auch in der Demokratie. Der Schwächere bekommt eines auf die Rübe und muss seine Niederlage eingestehen. Was aber wenn ich von vornherein entscheide wer gewinnt und wer verliert? Der „Verlierer“ wird sich benachteiligt fühlen. Glaubt er doch fest daran, dass er gewinnen hätte können wenn man ihn nur gelassen hätte. Er wird also er frustriert sein. Und er wird aggressiv. Noch viel schlimmer ist aber, wenn er Sympathisanten gewinnen kann die ebenfalls der Meinung sind, das es in diesem Duell nicht fair lief. Das können sogar die Menschen sein die eigentlich für den „Gewinner“ sind, aber die auch gerne einen fairen Kampf gesehen hätten. Am schlimmsten wird es dann aber wenn diese Menschen verurteilt werden weil sie den Verlierer verteidigen. Auch so etwas hatten wir in unserer jüngeren Geschichte bereits. Dann werden sich Widerstände aufbauen. Menschen die nie auf die Idee gekommen wären den „Verlierer“ zu unterstützen, werden faktisch dazu gezwungen es zu tun da sie vom „Gewinner“ ausgegrenzt und verspottet werden.

Was ist also die Lösung? – Ein fairer Kampf! Wir müssen es endlich einsehen, das wir Meinungen und Gesinnungen nicht verbieten können. Es geht einfach nicht. Auch das hat die Geschichte schon so oft gezeigt. Und zwar auf der ganzen Welt. Solange wir bereit sind mit Minderheiten – ob wir ihre Meinung teilen oder nicht – zu reden, können wir ihnen zeigen das sie in der Minderheit sind und vor allem warum. Wir müssen sie am gesellschaftlichen Diskurs teilhaben lassen. Denn wenn wir sie ausschließen haben sie nur noch die Möglichkeit sich untereinander auszutauschen. Die Folge ist, dass sie ständig – jeden Tag – in ihrer Meinung bekräftigt werden. Sie haben ja auch keinen Gegenwind. Und so lösen wir das Problem nicht, wir schütten sogar noch Feuer ins Öl.

Bei kleinen Kindern funktioniert es noch, das man sich die Augen zuhält und dann „weg“ ist. Bei Erwachsenen nicht. Nur weil wir das Problem weg ignorieren verschwindet es nicht. Da können „wir“ noch so überheblich sagen das wir „die“ schon platt machen werden. Nur weil Frau Petri nicht mehr ins Augsburger Rathaus darf ist sie doch nicht weg, oder? Im Gegenteil. Sie beruft sich auf unsere Gesetze und bekommt vor Gericht recht! Wenn das mal keine Bestätigung ist, dass sie das richtige tut…

Demokratie ist unbequem. Demokratie ist Arbeit. Demokratie bedeutet auch Niederlagen hinnehmen zu müssen wenn man mal nicht in der Mehrheit ist. Demokratie bedeutet aber auch eine Stimme zu haben. Demokratie bedeutet Freiheit! Demokratie bedeutet gehört zu werden. Demokratie bedeutet auch zuzuhören. Das wichtigste ist aber: Demokratie bedeutet, dass ich niemals der gleichen Meinung sein muss wie mein Gegenüber. Ich muss sie nur hinnehmen wenn er der Stärkere ist.

Wie wollen wir also den anderen beibringen was Demokratie ist, wenn wir sie ihnen nicht vorleben?

Wir haben in Deutschland ein massives Problem mit der Meinung „anderer“. Aber das hat lange nichts mit dem aktuellen Grabenkrieg zu tun. Vielmehr ist er ein Symptom. Wir haben viel zu lange nicht mehr gelernt wie ein demokratisches Zusammenleben funktionieren kann. Das geht los bei der Deutschen „Unterm Strich zähle ich“ Kultur. Neid, Selbstüberschätzung, das ständige Gefühl benachteiligt zu sein und ständig mehr zu fordern, all das sind inzwischen ganz normale Dinge in unserer Gesellschaft. „Was kümmert mich der Andere?“ und „Nach mir die Sintflut!“ könnten inzwischen gut die ersten beiden Paragraphen unseres Grundgesetzes sein. „Warum sollte ich Kinder bekommen? Die kosten mich nur Geld, machen alles kaputt und zerstören mir meine Freizeit!“ und „Wenn dann nur ein Kind, weil es mir einen Status gibt. Aber bitte Alleinerziehend damit mir niemand vorschreibt wie ich es zu erziehen habe.“ Finden bestimmt auch noch Platz. Es gibt in unseren Köpfen keine andere Meinung. Alles ist schwarz und weiß. Ich bin weiß, rein, gut und habe recht. Alle anderen die nicht meiner Meinung sind, sind die Bösen, Dummen, und Ignoranten. Rassismus in seiner ganz eigenen, destillierten Form. Wir kämpfen immer mehr für unser persönliches Glück und fühlen uns dabei immer einsamer. Dabei haben wir doch einen tollen Job, ein dickes Haus, ein tolles Auto und eine schicke Yacht. Die Sparkassenwerbung hat mir gesagt das ich mich jetzt glücklicher fühlen müsste als mein Freund der sich mit seinen 3 Kindern rumärgert und in der Garage der Mietwohnung einen klapprigen Polo stehen hat. Warum bin ich es nicht? Auch wenn ich hier vom Thema abweiche, möchte ich die Frage gerne kurz beantworten: Dinge können kein Glück schenken. Vielmehr ist es die Anerkennung anderer Menschen. Wir sind soziale Wesen und von der Natur aus so programmiert! Statussymbole können nur scheinbare und kurz währende Anerkennung liefern. Spätestens nach einem Jahr muss man wieder „Up to date“ sein. Wahre und andauernde Anerkennung muss man sich erarbeiten. Und zwar bei jedem Menschen und jeden Tag erneut. So ist das nun mal. Wir ernten was wir sähen.

Wie können wir nun also unser Problem lösen?

Wir müssen weg vom ich. Von unserer Polarisation. Wir müssen lernen im Großen Ganzen zu denken und zu handeln. Wir müssen lernen nachhaltig zu handeln, auch wenn es jetzt viel Arbeit bedeutet und die Ernte am Ende allen zu gute kommt. Aber wenn alle den tieferen Sinn verstehen und gemeinsam an einem Strang ziehen, dem Raubbau an der Gesellschaft ein Einhalten gebieten und lernen das wir nur zusammen stark sind – als ein Volk, eine Nation die die Interessen aller Vertritt und niemanden bevorzugt, benachteiligt oder ausgrenzt – dann werden wir bald sehen das sich unsere Probleme in Luft auflösen.

Eine alte Weisheit sagt: „Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte“. Parteien wie die AfD freuen sich gerade gewaltig.

Wir streiten um Integration. Das Paradoxon schlechthin! Wie wollen wir denn Andere Integrieren wenn wir uns selbst nicht einig sind?

Wenn auf der einen Seite des Weges die Klippe liegt und auf der anderen Seite eine Felswand, dann ist der sinnvollste Weg doch der nach vorne. Das ist in der Natur so, und in der Gesellschaft auch.

15 Jun

Entwurf – Gegensätze

Nur die Gegensätze lehren einen die Welt kennen:
Wer nicht ums Dunkel weiß, kann das Licht nicht erkennen.

Was siehst du wenn du nichts siehst?

Seit Anbeginn einer jeden Kultur beschäftigen sich die Menschen mit dem „Sein“. Eines der herausragenden Merkmale des Homo Sapiens ist die Fähigkeit, sich selbst bewusst wahrzunehmen. Nur wenige andere Spezies auf unserem Planeten besitzen diese Fähigkeit ebenfalls.
Was aber bedeutet wahrnehmen? Was, wenn ein Mensch die Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung verliert? Was, wenn er gar die Fähigkeit verliert, andere Menschen als die Individuen wahrzunehmen, die sie sind?
Wahrnehmen bedeutet nicht einfach nur zu registrieren, dass etwas oder jemand da ist, es ist vielmehr ein Differenzieren vieler verschiedener Faktoren. Und der entscheidendste Unterschied zwischen dem bloßem Sehen und dem Wahrnehmen ist, dass sich die Wahrnehmung über das bloße Sichtbare hinaus bewegt.
So groß nämlich der Segen ist, sich und andere bewusst wahrnehmen zu können, so groß ist auch der Fluch. Denn noch mehr als die Dinge die um uns herum sind, die wir jeden Tag sehen, die zu unserem Alltag gehören, nehmen wir die Dinge wahr die uns fehlen, die wir nicht sehen, nach denen wir uns sehnen. Ein Familienmitglied, eine geliebte oder uns nahe Person gehört zu unserem Alltag solange sie um uns herum ist. Solange wir uns mit ihr austauschen können wann wir wollen, uns mit ihr treffen. Sobald diese Person aus unserem Umfeld verschwindet, und sei es nur für eine längere Reise oder einen beruflichen Auslandsaufenthalt, merken wir was uns fehlt. Und erst dadurch nehmen wir wahr was uns diese Person gegeben hat als sie bei uns war.
Noch stärker spüren wir diesen Effekt bei einer endgültigen Trennung. Ein Mensch der Monate, Jahre, ja vielleicht sogar Jahrzehnte durchdringend zu unserem Leben gehört hat ist plötzlich verschwunden. Alles was für uns Alltag war, Routine, was wir gesehen und gespürt haben aber trotzdem nie wahrgenommen fehlt uns jetzt. Und wir fangen an zu erkennen.
In der heutigen Zeit, in der wir mit den verschiedensten Einflüssen nur so überhäuft werden, in der wir kaum noch dazu kommen einen ruhigen Moment lang zu reflektieren oder überhaupt einen Moment zu genießen, können wir Dinge die wir haben nicht würdigen. Es fehlt uns schlicht an der Zeit – und oft auch an Stärke.
Doch was können wir tun? Wir können einfach einmal für einen Moment unsere Augen schließen. Uns selbst erkennen. Uns wahrnehmen wer wir sind und wo wir sind. Spüren was wir haben. Und was uns fehlt. Uns selbst betrachten und sehen wie wir auf andere wirken. Wen wir verletzen, wen wir glücklich machen – und anders herum. Wir können uns in diesem Moment Klarheit verschaffen und diese nutzen unseren Weg im Leben zu setzen.

15 Jun

Herzlich Willkommen auf meinem Blog

Jeden Tag werden wir überflutet von Massen an Daten, Informationen, Bildern und Emotionen. Viele davon sind gezielt auf unsere Psyche ausgerichtet und sollen uns animieren Dinge zu begehren, Emotionen zu verstärken und Sachen zu tun ohne genauer darüber nachzudenken. Auf dieser Seite möchte ich versuchen, zumindest einige Gedanken fassen und genauer zu betrachten.